Überblick
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist eine Pflichtversicherung nach dem SGB V. Träger sind die Krankenkassen. Sie stellen ihre Leistungen grundsätzlich als Sach- und Dienstleistung bereit: Sie rechnen also in der Regel direkt mit Praxen und Kliniken ab, statt Rechnungen zu erstatten. Die GKV ist kein privater Tarif, den man frei zusammenstellt; Mitgliedschaft und Leistungsumfang ergeben sich aus dem Gesetz und der Satzung der jeweiligen Kasse.
Eigene Seiten zu verwandten Varianten: Soziale Pflegeversicherung, Wahltarife der gesetzlichen Krankenversicherung.
Wann kann es leisten?
Leistungen werden ausgelöst, wenn eine versicherte Person medizinisch notwendige Behandlung braucht, etwa wegen Krankheit, Schwangerschaft oder zur Früherkennung, und bei Arbeitsunfähigkeit unter weiteren Voraussetzungen durch Krankengeld.
Was versichert sein kann – und was typischerweise nicht
Kann versichert sein
- Ärztliche und zahnärztliche Behandlung, Arznei-, Heil- und Hilfsmittel sowie Krankenhausbehandlung im Rahmen des gesetzlichen Leistungskatalogs (§ 11 SGB V).
- Leistungen zur Verhütung und Früherkennung von Krankheiten sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft.
- Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit für Mitglieder mit Anspruch darauf; wegen derselben Krankheit für längstens 78 Wochen innerhalb von je drei Jahren (§ 48 SGB V).
- Familienversicherte Angehörige: Ehegatten, Lebenspartner und Kinder können ohne eigenen Beitrag mitversichert sein, wenn sie unter anderem kein Gesamteinkommen über der gesetzlichen Grenze haben (§ 10 SGB V).
Typischerweise nicht versichert
- Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind: Die Leistungen müssen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein (§ 12 SGB V).
- Leistungen, die das Gesetz der Eigenverantwortung der Versicherten zurechnet (§ 2 SGB V).
- Komfort- und Wahlleistungen, die über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen, etwa eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus; dafür gibt es private Zusatzversicherungen mit eigenen Bedingungen.
Allgemeine Beschreibung. Was ein Vertrag konkret enthält, regeln seine Versicherungsbedingungen.
Für wen das Thema relevant sein kann
Kann relevant sein für
- Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind, sind grundsätzlich versicherungspflichtig (§ 5 SGB V), ebenso viele Bezieher von Arbeitslosengeld, Studierende und Rentner unter weiteren Voraussetzungen.
- Beschäftigte, deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt, sind versicherungsfrei (§ 6 SGB V); die Grenze (Versicherungspflichtgrenze) liegt 2026 bei 77.400 Euro Jahresentgelt laut Bundesregierung.
- Beamtinnen und Beamte mit Anspruch auf Beihilfe oder Heilfürsorge sind versicherungsfrei (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V), können aber unter Umständen freiwillig gesetzlich versichert sein.
Vorher zu klären
- Ob Versicherungspflicht, Versicherungsfreiheit oder eine freiwillige Mitgliedschaft vorliegt – das entscheidet über Wahlmöglichkeiten.
- Ob Familienangehörige beitragsfrei mitversichert sein können oder eigene Absicherung brauchen.
- Wer nach Vollendung des 55. Lebensjahres versicherungspflichtig wird, in den fünf Jahren davor aber nicht gesetzlich versichert war, ist unter den weiteren Voraussetzungen des § 6 Abs. 3a SGB V versicherungsfrei; eine Rückkehr in die GKV ist dann nicht ohne Weiteres möglich.
Überschneidungen mit anderem Schutz
- Private Krankenvollversicherung: Sie ersetzt die GKV nur, wenn keine Versicherungspflicht besteht; beide Systeme folgen unterschiedlichen Regeln (Leistungen nach Tarif statt nach Gesetz).
- Private Zusatzversicherungen (z. B. Zahn, stationär, Krankenhaustagegeld) ergänzen die GKV, ersetzen sie aber nicht.
- Soziale Pflegeversicherung: Wer in der GKV versichert ist, ist kraft Gesetzes auch in der sozialen Pflegeversicherung versichert (§ 1 Abs. 2 SGB XI).
Nicht verwechseln – verwandte Themen
- Soziale PflegeversicherungSystemwissen
Die soziale Pflegeversicherung nach dem SGB XI zahlt bei anerkannter Pflegebedürftigkeit Leistungen je nach Pflegegrad. Sie ist ausdrücklich ein Teilleistungssystem: Ein Teil der Kosten bleibt in der Regel bei den Pflegebedürftigen.
- Private KrankenvollversicherungVersicherungsart
Die private Krankenvollversicherung ersetzt für Selbstständige, Beamte, versicherungsfreie Angestellte und weitere Gruppen die gesetzliche Krankenversicherung. Leistungen, Beitrag und spätere Wechselmöglichkeiten richten sich nach Tarif, Eintrittsalter und Gesundheitszustand – die Entscheidung bindet oft auf Dauer.
- Wahltarife der gesetzlichen KrankenversicherungSystemoption
Besondere Tarife, die Krankenkassen nach § 53 SGB V in ihrer Satzung anbieten, etwa Selbstbehalt, Kostenerstattung oder Krankengeld. Sie gehören zur gesetzlichen Mitgliedschaft, können binden und sind keine private Zusatzversicherung.
- KrankentagegeldVersicherungsart
Vereinbarter Tagessatz als Ersatz für Verdienstausfall bei ärztlich festgestellter Arbeitsunfähigkeit, ab einem vereinbarten Tag. Krankentagegeld ist kein Krankenhaustagegeld und geht nicht automatisch nahtlos in eine Berufsunfähigkeitsrente über.
- BeihilfeSystemwissen
Beihilfe ist keine Versicherung, sondern eine Fürsorgeleistung des Dienstherrn: Er erstattet Beamtinnen und Beamten einen Prozentsatz ihrer beihilfefähigen Krankheits-, Pflege- und Geburtskosten. Für den Rest besteht eine eigene Pflicht zur Absicherung.
Was ist wichtig?
Sachleistungsprinzip
Leistungen werden in der Regel als Sach- und Dienstleistung über Verträge der Kassen mit Ärzten und Kliniken erbracht (§ 2 Abs. 2 SGB V).
Beitragsbemessungsgrenze 2026
Beiträge werden nur bis zu einer Einkommensgrenze erhoben; für Kranken- und Pflegeversicherung liegt sie 2026 bei 69.750 Euro Jahreseinkommen laut Bundesregierung.
Familienversicherung
Angehörige ohne eigenes oder mit nur geringem Einkommen können unter den Voraussetzungen des § 10 SGB V mitversichert sein.
Wartezeiten, Grenzen und Nachweise
- Krankengeld wegen derselben Krankheit: längstens 78 Wochen innerhalb von je drei Jahren (§ 48 Abs. 1 SGB V).
- Leistungen nur im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsgebots (§ 12 SGB V); nicht jede medizinisch denkbare Behandlung ist Kassenleistung.
- Die Werte für Versicherungspflicht- und Beitragsbemessungsgrenze werden jährlich neu festgesetzt; die hier genannten Zahlen gelten für 2026.
Fragen vor einer Entscheidung
- Bin ich versicherungspflichtig, versicherungsfrei oder freiwillig versichert?
- Welche Leistungen sind mir wichtig, die der gesetzliche Leistungskatalog nicht oder nur teilweise abdeckt?
- Sind meine Angehörigen familienversichert, und bleibt das bei einer Einkommensänderung so?
- Was würde ein Wechsel in die private Krankenversicherung für eine spätere Rückkehr bedeuten?
Beispiel und Gegenbeispiel
Fiktives Beispiel mit Leistung
Frau K. ist angestellt und gesetzlich versichert. Nach einem Bandscheibenvorfall ist sie mehrere Monate arbeitsunfähig. Nach dem Ende der Entgeltfortzahlung zahlt ihre Krankenkasse Krankengeld; Physiotherapie und Facharztbehandlung rechnet die Praxis direkt mit der Kasse ab.
Fiktives Gegenbeispiel ohne Leistung
Herr T. wünscht im Krankenhaus ein Einzelzimmer und die Behandlung durch den Chefarzt. Das sind Wahlleistungen außerhalb des gesetzlichen Leistungskatalogs; die Krankenkasse übernimmt die Mehrkosten nicht.
Beide Fälle sind erfunden und dienen nur der Veranschaulichung. Sie enthalten keine Beiträge.
Quellen und Stand
Quellenstand: 21.10.2026. Diese Seite erklärt allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall; maßgeblich sind immer die Versicherungsbedingungen und gesetzlichen Regelungen in ihrer jeweils gültigen Fassung.
Alle 9 Quellen mit Verwendungszweck anzeigen
- § 5 SGB V – Versicherungspflicht (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Versicherungspflicht von Beschäftigten und weiteren Gruppen
- § 6 SGB V – Versicherungsfreiheit (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Versicherungsfreiheit (Jahresarbeitsentgeltgrenze, Beamte, § 6 Abs. 3a)
- § 10 SGB V – Familienversicherung (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Familienversicherung
- § 2 SGB V – Leistungen (Sach- und Dienstleistungen) (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Sach- und Dienstleistungsprinzip, Eigenverantwortung
- § 11 SGB V – Leistungsarten (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Leistungsarten der GKV
- § 12 SGB V – Wirtschaftlichkeitsgebot (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Wirtschaftlichkeitsgebot
- § 48 SGB V – Dauer des Krankengeldes (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Höchstdauer des Krankengeldes
- § 1 SGB XI – Soziale Pflegeversicherung (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Pflegeversicherung folgt der Krankenversicherung
- Rechengrößen in der Sozialversicherung (Beitragsbemessungsgrenzen 2026) (öffnet in neuem Tab) – Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Artikel vom 29.04.2026, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Versicherungspflichtgrenze und Beitragsbemessungsgrenze 2026