Überblick
Eine Rückdeckungsversicherung ist eine Lebens- oder Rentenversicherung, die ein Arbeitgeber oder eine Unterstützungskasse auf das Leben der versorgungsberechtigten Person abschließt, um sich die Mittel für die zugesagten Versorgungsleistungen zu verschaffen. Versicherungsnehmer und in der Regel Bezugsberechtigter ist der Arbeitgeber bzw. die Kasse. Die Leistungen der Versicherung fließen an diese und dienen der Erfüllung der Zusage. Auch Pensionskassen dürfen Leistungen als Rückdeckungsversicherung erbringen.
Wann kann es leisten?
Die im Versicherungsvertrag vereinbarten Fälle, meist Erreichen des Rentenbeginns, Tod oder Invalidität der versicherten Person – passend zu den Leistungen der Versorgungszusage.
Was versichert sein kann – und was typischerweise nicht
Kann versichert sein
- Alters-, Todesfall- oder Invaliditätsleistung an den Arbeitgeber oder die Unterstützungskasse nach dem Vertrag
- Finanzierung und Absicherung der biometrischen Risiken der Versorgungszusage
Typischerweise nicht versichert
- Kein automatischer eigener Anspruch der Beschäftigten gegen den Versicherer
- Keine Begrenzung der Zusage auf die Versicherungsleistung – der Arbeitgeber steht für die zugesagte Leistung ein
Allgemeine Beschreibung. Was ein Vertrag konkret enthält, regeln seine Versicherungsbedingungen.
Für wen das Thema relevant sein kann
Kann relevant sein für
- Arbeitgeber mit Direktzusagen, die das Finanzierungs- und Langlebigkeitsrisiko auslagern möchten
- Unterstützungskassen, die ihre Leistungsverpflichtungen über einen Versicherer abdecken
Vorher zu klären
- Ob die Versicherungsleistungen zu Art, Höhe und Zeitpunkt der Zusage passen (kongruent) oder nur teilweise
- Wer Versicherungsnehmer, versicherte Person und Bezugsberechtigter ist
- Wie Beiträge und Leistungen steuerlich und bilanziell behandelt werden – das klären Steuerberatung und Bilanzierung
Überschneidungen mit anderem Schutz
- Bei der Direktversicherung ist die beschäftigte Person selbst bezugsberechtigt; bei der Rückdeckung der Arbeitgeber.
- Die Rückdeckung ändert nichts daran, dass bei der Unterstützungskasse kein Rechtsanspruch gegen die Kasse besteht.
- Rückdeckungsversicherungen zählen laut BaFin nicht zu den Versicherungsanlageprodukten für Privatkunden, sondern zur betrieblichen Altersversorgung.
Nicht verwechseln – verwandte Themen
- DirektzusageSystemwissen
Der Arbeitgeber verspricht die Versorgung unmittelbar selbst, ohne Versorgungsträger. Es ist keine Versicherung; eine Rückdeckungsversicherung kann die Finanzierung absichern, ist aber ein eigener Vertrag.
- UnterstützungskasseSystemwissen
Eigenständige Versorgungseinrichtung, über die ein Arbeitgeber seine Versorgungszusage erfüllt. Sie ist keine Versicherung; der Anspruch der Beschäftigten richtet sich gegen den Arbeitgeber.
- PensionskasseDurchführungsweg
Rechtlich selbstständiges Lebensversicherungsunternehmen, das ausschließlich betriebliche Altersversorgung betreibt und den Versicherten einen eigenen Leistungsanspruch gibt.
- Betriebliche AltersversorgungSystemwissen
Versorgung, die der Arbeitgeber aus Anlass des Arbeitsverhältnisses für Alter, Invalidität oder Tod zusagt. Sie läuft über einen von fünf Durchführungswegen; der Arbeitgeber steht für die Zusage ein.
Was ist wichtig?
Rückgedeckte Unterstützungskasse
Beiträge, die eine Unterstützungskasse an einen Versicherer zahlt, um die Mittel für ihre Versorgungsleistungen zu beschaffen, sind beim Trägerunternehmen unter den Voraussetzungen des § 4d EStG abziehbar.
Keine Einwilligung nötig
In der betrieblichen Altersversorgung ist die sonst bei Versicherung auf ein fremdes Leben nötige schriftliche Einwilligung nicht erforderlich (§ 150 VVG).
Wartezeiten, Grenzen und Nachweise
- Leistungen nach den Bedingungen des Versicherungsvertrags; Abweichungen zur Zusage trägt der Arbeitgeber.
- Steuerlicher Abzug bei Unterstützungskassen nur in den Grenzen des § 4d EStG.
- Selbsttötungsfrist und Rückkaufswert nach den allgemeinen Regeln der Lebensversicherung (§§ 161, 169 VVG).
Fragen vor einer Entscheidung
- Deckt die Versicherung die Zusage vollständig oder nur teilweise ab?
- Was geschieht mit dem Vertrag, wenn die versorgungsberechtigte Person ausscheidet?
- Wer erhält die Leistungen im Insolvenzfall des Arbeitgebers?
Beispiel und Gegenbeispiel
Fiktives Beispiel mit Leistung
Ein Unternehmen erteilt einer Prokuristin eine Pensionszusage und schließt eine kongruente Rückdeckungsversicherung auf ihr Leben ab. Mit Rentenbeginn erhält das Unternehmen die Versicherungsleistungen und zahlt daraus die zugesagte Rente.
Fiktives Gegenbeispiel ohne Leistung
Ein Arbeitgeber hat nur eine teilweise Rückdeckung abgeschlossen. Die Versicherungsleistung reicht für die zugesagte Rente nicht aus; den Rest muss der Arbeitgeber aus eigenen Mitteln zahlen – der Versicherer leistet nicht mehr als vereinbart.
Beide Fälle sind erfunden und dienen nur der Veranschaulichung. Sie enthalten keine Beiträge.
Quellen und Stand
Quellenstand: 21.10.2026. Diese Seite erklärt allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall; maßgeblich sind immer die Versicherungsbedingungen und gesetzlichen Regelungen in ihrer jeweils gültigen Fassung.
Alle 9 Quellen mit Verwendungszweck anzeigen
- § 4d EStG – Zuwendungen an Unterstützungskassen (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Beiträge der Unterstützungskasse an einen Versicherer zur Beschaffung der Mittel für Versorgungsleistungen
- § 232 VAG – Pensionskassen (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Pensionskassen dürfen Leistungen als Rückdeckungsversicherung erbringen
- Kundennutzen in der Lebensversicherung: Aktuelle Untersuchung gibt neue Einblicke (öffnet in neuem Tab) – Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Fachartikel vom 19.06.2026, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Rückdeckungsversicherungen als Produkte der betrieblichen Altersvorsorge
- § 1 BetrAVG – Zusage des Arbeitgebers auf betriebliche Altersversorgung (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Einstandspflicht des Arbeitgebers für die Zusage
- § 1b BetrAVG – Unverfallbarkeit und Durchführung der betrieblichen Altersversorgung (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Unterstützungskasse ohne Rechtsanspruch; Direktversicherung mit Bezugsrecht der Beschäftigten
- § 150 VVG – Versicherte Person (Einwilligung bei Versicherung auf das Leben eines anderen) (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Keine Einwilligung in der bAV erforderlich
- § 161 VVG – Selbsttötung (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Selbsttötungsfrist
- § 169 VVG – Rückkaufswert (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Rückkaufswert
- Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) einschließlich Anlage 1 (Sparten) (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 20.10.2026
Verwendet für: Sparte 19 Leben (Anlage 1 VAG)