Überblick
Manche Betriebe hängen stark an einzelnen Menschen: an der Geschäftsführerin, am Gründer oder an einer Fachkraft mit seltenem Wissen. Fällt diese Person aus, drohen Umsatzeinbußen, Kosten für Ersatz oder Probleme mit Kreditgebern. Bei der Schlüsselpersonenversicherung ist das Unternehmen Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigter; versicherte Person ist die Schlüsselperson. Die Leistung soll den finanziellen Schaden des Unternehmens auffangen, nicht die Person oder ihre Familie versorgen.
Wann kann es leisten?
Je nach vereinbartem Baustein der Tod der versicherten Person, in manchen Konzepten auch Berufsunfähigkeit, eine definierte schwere Erkrankung oder ein Unfall mit dauerhaften Folgen. Es gelten die Leistungsvoraussetzungen des jeweiligen Vertrags, etwa der Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung.
Was versichert sein kann – und was typischerweise nicht
Kann versichert sein
- Eine vereinbarte Kapitalleistung an das Unternehmen beim Tod der Schlüsselperson während der Laufzeit.
- Je nach Konzept eine Rente oder Einmalzahlung an das Unternehmen bei Berufsunfähigkeit der Schlüsselperson.
- Je nach Konzept Leistungen bei definierten schweren Krankheiten oder Unfallfolgen.
Typischerweise nicht versichert
- Der tatsächliche wirtschaftliche Schaden wird nicht ermittelt; gezahlt wird die vereinbarte Summe, die zu hoch oder zu niedrig sein kann.
- Ein Ausfall durch Kündigung, Wechsel zur Konkurrenz oder Ruhestand.
- Die private Absicherung der Schlüsselperson und ihrer Familie; sie bleibt ein eigenes Thema.
Allgemeine Beschreibung. Was ein Vertrag konkret enthält, regeln seine Versicherungsbedingungen.
Für wen das Thema relevant sein kann
Kann relevant sein für
- Kleine und mittlere Unternehmen, deren Geschäft stark an Inhabern oder Geschäftsführern hängt.
- Gründerteams und junge Unternehmen, bei denen Kapitalgeber auf einzelne Personen setzen.
- Unternehmen mit Krediten, die bei Ausfall einer Person gefährdet wären.
Vorher zu klären
- Wer tatsächlich Schlüsselperson ist und welcher finanzielle Schaden bei ihrem Ausfall entstünde.
- Die schriftliche Einwilligung der versicherten Person: Sie ist nach § 150 Abs. 2 VVG Voraussetzung, wenn das Unternehmen eine Todesfallversicherung auf ihr Leben nimmt.
- Die steuerliche Behandlung: Sie hängt nach Anbieterhinweisen davon ab, ob das Unternehmen eine Kapital- oder Personengesellschaft ist und ob die versicherte Person selbst Unternehmerin ist; das ist mit Steuerberatung zu klären.
- Die Laufzeit, etwa bis zum voraussichtlichen Ausscheiden der Person.
Überschneidungen mit anderem Schutz
- Eine private Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung der Schlüsselperson besteht unabhängig davon und sichert deren eigene Angehörige ab.
- Die Gruppenunfallversicherung betrifft Leistungen an Beschäftigte nach Unfällen, nicht den Ertragsausfall des Unternehmens.
- Gesellschafterverträge können regeln, was mit Anteilen beim Tod eines Gesellschafters geschieht; das ist eine gesellschaftsrechtliche, keine versicherungsrechtliche Frage.
Nicht verwechseln – verwandte Themen
- RisikolebensversicherungVersicherungsart
Zahlt eine vereinbarte Summe an die Bezugsberechtigten, wenn die versicherte Person während der Vertragslaufzeit stirbt. Sie ist reiner Todesfallschutz – kein Sparvertrag und kein allgemeiner Einkommensersatz.
- BerufsunfähigkeitsversicherungVersicherungsart
Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich auf Dauer ganz oder teilweise nicht mehr ausüben können. Eine kurze Krankschreibung ist noch keine Berufsunfähigkeit.
- Schwere-Krankheiten-Versicherung (Dread Disease)Versicherungsart
Die Schwere-Krankheiten-Versicherung zahlt eine vereinbarte Summe einmalig aus, wenn eine im Vertrag aufgeführte schwere Krankheit im verlangten Schweregrad diagnostiziert wird. Nicht jede schwere Diagnose ist versichert.
- GruppenunfallversicherungVariante
Eine Gruppenunfallversicherung ist eine private Unfallversicherung, die ein Arbeitgeber für Beschäftigte oder andere definierte Gruppen abschließt. Sie leistet die vereinbarten Summen nach einem Unfall und ergänzt die gesetzliche Unfallversicherung, ohne sie zu ersetzen.
Was ist wichtig?
Rollen im Vertrag
Unternehmen als Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigter, Schlüsselperson als versicherte Person.
Bausteine
Todesfallschutz als Kern; je nach Anbieter ergänzbar um Berufsunfähigkeit, schwere Krankheiten oder Unfall.
Höhe der Summe
Die Summe sollte nachvollziehbar aus dem erwarteten Schaden abgeleitet werden, etwa aus Ersatzkosten oder gefährdeten Erträgen.
Wartezeiten, Grenzen und Nachweise
- Gesundheitsprüfung der versicherten Person wie bei jeder Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung.
- Leistung nur während der vereinbarten Laufzeit.
- Für Berufsunfähigkeitsbausteine gelten deren Definitionen und Prognosezeiträume.
Fragen vor einer Entscheidung
- Wie hoch wäre der finanzielle Schaden, wenn diese Person morgen ausfiele?
- Ist die versicherte Person informiert und mit dem Vertrag schriftlich einverstanden?
- Wie werden Beiträge und Leistung bei unserer Rechtsform steuerlich behandelt?
- Was passiert mit dem Vertrag, wenn die Person das Unternehmen verlässt?
Beispiel und Gegenbeispiel
Fiktives Beispiel mit Leistung
Ein Softwareunternehmen hängt an seiner technischen Geschäftsführerin. Das Unternehmen schließt mit ihrer schriftlichen Einwilligung eine Risikolebensversicherung auf ihr Leben ab. Nach ihrem Tod erhält das Unternehmen die vereinbarte Summe und kann damit Übergangskosten und die Suche nach einer Nachfolge finanzieren.
Fiktives Gegenbeispiel ohne Leistung
Die versicherte Schlüsselperson kündigt und wechselt zu einem Wettbewerber. Das Unternehmen verliert ihr Wissen, ein Versicherungsfall liegt aber nicht vor.
Beide Fälle sind erfunden und dienen nur der Veranschaulichung. Sie enthalten keine Beiträge.
Quellen und Stand
Quellenstand: 21.10.2026. Diese Seite erklärt allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall; maßgeblich sind immer die Versicherungsbedingungen und gesetzlichen Regelungen in ihrer jeweils gültigen Fassung.
Alle 4 Quellen mit Verwendungszweck anzeigen
- Absicherung unternehmerischer Risiken bei Ausfall von Schlüsselkräften (Keyman-Police) – Steuermerkblatt (öffnet in neuem Tab) – Gothaer Lebensversicherung AG, Januar 2022, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Aufbau der Keyman-Police (Unternehmen als Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigter), typische Schlüsselkräfte, Laufzeit bis zum Ausscheiden, steuerliche Unterscheidung nach Rechtsform
- Keyman-Versicherung (öffnet in neuem Tab) – MLP Finanzberatung SE, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Bausteine Tod, schwere Krankheit, Berufsunfähigkeit und Unfall; Zielgruppen KMU und Gründerteams
- § 150 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) – Versicherte Person in der Lebensversicherung (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 21.10.2026
Verwendet für: Schriftliche Einwilligung bei Lebensversicherung auf das Leben eines anderen
- Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) einschließlich Anlage 1 (Sparten) (öffnet in neuem Tab) – Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de, abgerufen am 20.10.2026
Verwendet für: Zuordnung zur Sparte 19 (Lebensversicherung)